Johannes Waldmann
Johannes Waldmann
Mein Name ist Johannes Waldmann. Ich komme aus Davensberg im Münsterland und arbeite als Lehrer. Mir ist wichtig, dass wir die Zukunftschancen für Jugendliche verbessern. Dafür setze ich mich seit 2013 im Ascheberger Gemeinderat und seit 2014 im Coesfelder Kreistag ein.

Ungleichheit in Schulen jetzt bekämpfen

Die Corona-Krise zeigt besonders stark, welche Ungerechtigkeiten wir in unseren Schulen noch immer haben. Die Schulschließungen hatten und haben riesige Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler, die Familien und Beschäftigten in den Schulen.

In diesem Blogartikel erkläre ich, warum es wichtig ist, die Ungleichheit in Schulen gerade jetzt zu bekämpfen und wie wir so die Zukunftschancen aller Jugendlichen verbessern.

Corona Krise verstärkt Ungleichheit

Am Ende der diesjährigen Osterferien befinden wir uns schon seit fünf Wochen im absoluten Ausnahmezustand. Eine Verlängerung der Corona-Schutzmaßnahmen ist in vielen Bereichen beschlossen. Gesellschaftliche Missstände werden nun wie durch eine Lupe deutlicher sichtbar. Dies gilt insbesondere auch für die ungleiche Chancenverteilung in unseren Schulen. Viele Schülerinnen und Schüler hatten bereits vor den Schulschließungen erheblich schlechtere Bildungschancen aufgrund ihrer Herkunft. Diese sind durch die Corona Krise nochmal vergrößert worden.

Ursachen für ungleiche Bildungschancen

Die Ursachen, warum Kinder und Jugendliche in Schulen ungleiche Zukunftschancen haben, sind vielfältig. So ist es oft ein Nachteil, wenn die Familiensprache nicht Deutsch ist oder zu Hause keine lernförderlichen Strukturen gegeben sind, weil sich beispielsweise mehrere Kinder ein Zimmer teilen müssen.

In der Zeit der Schulschließung ist zudem die Ausstattung mit digitalen Endgeräten (Laptop, Tablets, Handy) oft in ärmeren Familien ein großes Problem und somit eine starke Benachteiligung für das Lernen. Zudem haben viele Familien durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona Krise Existenz- und Zukunftsängste. Es ist klar, dass sich diese Ängste der Eltern auch auf die Kinder und Jugendlichen übertragen und sich bei ihnen dementsprechend auswirken.

Abschlussprüfungen sind im Moment ungerecht

Ich halte in der jetzigen Situation Abschlussprüfungen für extrem ungerecht, weil die Vorbereitungszeit für viele Schülerinnen und Schüler durch die Corona-Schutzmaßnahmen erschwert wird. Insbesondere bei Jugendlichen aus ärmeren Familien und dort wo die Eltern nicht als “Ersatzlehrer” einspringen können entstehen sehr ungleiche Chancen in der Bewältigung einer Prüfungssituation. Deshalb sollte ein Abschluss anhand der bereits erbrachten Leistungen durch die Ermittlung des Durchschnitts vergeben werden.

Keine Klassenwiederholung, dafür zusätzliche Förderangebote

Durch die anhaltenden Schulschließungen ist es Schülerinnen und Schülern nicht möglich, sich in schwachen Fächern zu verbessern. Deshalb sollten in diesem Schuljahr alle Kinder und Jugendlichen in die nächste Jahrgangsstufe versetzt werden.

Die aufkommende Forderung, dass schwächere Schüler das “Corona-Jahr” freiwillig wiederholen könnten ist vor dem Hintergrund ungleicher familiärer Bedingungen grundfalsch. Vielmehr müssen im Schuljahr 2020/2021 zusätzliche Förder- und Unterstützungsmaßnahmen angeboten werden, damit insbesondere Schülerinnen und Schüler mit schlechteren Startchancen einen fairen Ausgleich erhalten.

Digitale Ausstattung verbessern

Die vergangenen Wochen haben einen regelrechten Schub für digitale Lernformen gebracht. Gleichzeitig wurden vielerorts auch große Mängel in der bestehenden Ausstattung offengelegt. Deshalb müssen die Mittel des Digitalpakts Schule zukünftig verstetigt werden, damit die Lehre an Schulen verbessert wird.

Auch muss die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten (Laptop oder Tablet) sichergestellt werden. Dies kann durch Leihgeräte der Schule oder Anpassungen im Sozialgesetzbuch (Mehrbedarf “Digitale Ausstattung”) sichergestellt werden.

Schulträger unterstützen

In Nordrhein-Westfalen sind die Kommunen für die Räume und Ausstattung der Schulen verantwortlich. Deshalb braucht es in den nächsten Jahren umfassende Investitionsprogramme durch Land und Bund.

Ein erster Schritt muss durch das Land NRW erbracht werden, indem ein Anschluss an das erfolgreiche Programm “Gute Schule 2020” sichergestellt wird. Ich halte ein Programm “Gute Schule 2025” mit einem Umfang von mindestens 2,5 Mrd. Euro für den richtigen Schritt.

Auch müssen die Schulträger kurzfristig bei der Beschaffung von Desinfektionsmitteln und höheren Reinigungsintervallen unterstützt werden.

Erfahrungen erfassen und zukünftig berücksichtigen

Die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Familien und Beschäftigte in den Schulen haben in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Erfahrungen gemacht. Oft haben sie Kreativität und Innovationskraft bewiesen.

Diese Erfahrungen und neuen Ideen müssen deshalb auf allen Ebenen systematisch erfasst werden, damit diese in zukünftigen Planungen auch Berücksichtigung finden können. Deshalb müssen sich alle politischen Gremien umfassende Informationen von den Betroffenen einholen und in den nächsten Haushaltsplanungen berücksichtigen.

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1 Kommentar zu „Ungleichheit in Schulen jetzt bekämpfen“

  1. Avatar
    Lotte Volkhardt

    Hallo Johannes,
    ich stimme Dir weitgehend zu, die Krise verschärft die Ungleichheiten und die Chancen für Kinder aus einkommensschwachen und / oder bildungsfernen Familien schmelzen gerade schneller dahin, als das Aktiseis.
    Natürlich waren auch die Bedingungen für die inzwischen geschriebenen Abschlussprüfungen der 10er absolut unzumutbar und es wäre den Lehrern in fast allen Fällen möglich gewesen, die Schülerinnen und Schüler auch so gerecht zu bewerten. Wir kennen diese Jugendlichen seit 6 Jahren, wir wissen, was sie können!
    Auch ein sitzenbleiben ist jetzt natürlich allein schon aus rechtlichen Gründen nicht sinnvoll. Da wäre es schwer, die Beurteilung fair zu begründen und jeder Widerspruch müsste zwingend erfolgreich sein.
    Allerdings sollte ein freiwilliges Wiederholen oder ein freiwilliger Schulwechsel ermöglicht werden. Natürlich sind die Ursachen zum Teil unfair, aber was hilft es einem Schüler, wenn er aus Fairness versetzt wird, dann aber überhaupt keinen Fuß auf den Boden bekommt, weil er den Anschluss völlig verloren hat? Hier würde hinterher ein weiteres Jahr Lernzuwachs fehlen und der Frust steigen. Ich habe an meiner Realschule einige Schülerinnen und Schüler, denen ich jetzt den Neustart an der Hauptschule oder einer neuen Klasse empfehlen würde, um das zu vermeiden. Das hat nichts mit Bestrafung zu tun, ich will nur die Katastrophe vermeiden. Bei einigen hat sich eine Wiederholung schon auf dem Halbjahreszeugnis abgezeichnet, aber auch, wenn Corona die Schuld trägt, müssen das nicht die Schülerinnen und Schüler ausbaden. Hier müssen pädagogisch getroffene Einzelfallentscheidungen her und ein völlige Aufhebung der Versetzungsregelungen. Noten großzügig unter Berücksichtigung der Bedingungen und Einbeziehung der positiven Leistungen aus dem Homeschooling geben und in Problemfällen mit dem Kind und den Eltern gemeinsam eine Entscheidung treffen, die aber nicht erzwungen werden kann.
    Viele Grüße aus Dülmen,
    Lotte

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